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Stabbrandbomben

Erinnerungen

Als Kind habe ich Stabbrandbomben gesammelt. Heute unvorstellbar. Die Grundstücke mit den zerbombten Häusern waren ein gutes Suchgebiet. Ich hatte acht Stück (ganz, keine Reste) gefunden und sie unter der Fußgängerbrücke über die Mombach auf dem Grundstück meiner Eltern versteckt. Als ich so cá. 15/16 Jahre alt war kam mir die Sammlung dann doch etwas gefährlich vor. Sie wurden von mir beim nächsten Hochwasser in die Mombach geworfen und vom Wasser mitgenommen.

Später hat man sich so seine Gedanken darüber gemacht, was alles hätte passieren können. Aber als Kind der damaligen Zeit waren derartige Dinge Spielzeuge. Seltsamerweise ist jedoch nie etwas passiert.

Hintergrund:

Über Deutschland wurde die englische 1,7 kg schwere Stabbrandbombe vom Typ INC 4 LB (incendiary, vier Pfund) in großen Mengen abgeworfen (s. Bild). Diese Stabbrandbombe besaß einen sechseckigen Körper mit 4,2 cm Durchmesser und 57 cm Länge. Davon entfielen ca. 20 cm auf das sechseckige, aus dünnem Blech bestehende Leitwerk und 4,7 cm auf den etwa 0,6 kg schweren Stahlkopf. Der eigentliche Brandsatz war die Bombenhülle aus Elektron. Sie war auf ihrer ganzen Länge von einer 25 mm messenden Bohrung durchzogen, welche mit eingepresstem Thermit gefüllt war. An ihrem oberen Ende, verdeckt durch das Leitwerk, befand sich der Aufschlagzünder, der über einen Anfeuerungssatz die Thermitfüllung in Brand setzte.

Zur Sicherung gegen unbeabsichtigtes Auslösen sicherten sich die Stabbrandbomben gegenseitig: Ein federbelasteter Sicherungsstift, der durch die Nachbarbombe eingedrückt wurde, blockierte die Zündnadel des Aufschlagzünders. Erst beim Abwurf über dem Zielgebiet trennten sich die Bomben aus dem Bündel und wurden dadurch scharf. Teilweise wurden mehr als 100 Stück gemeinsam transportiert.

Die Brenndauer betrug ungefähr acht Minuten; während dieser Phase trat eine starke Stichflamme aus der Stabbrandbombe hervor und zerschmolz diese zu einer weißglühenden brennenden Metallschmelze. Ein direktes Löschen der Stabbrandbombe mit Wasser war nicht möglich, es ließ sich jedoch die unmittelbare Umgebung der Bombe mit Wasser abkühlen bzw. mit Sand abdecken und so der Brandschaden in Grenzen halten.

Ab 1942 gab es eine Modifikation dieser Brandwaffe, die zusammen mit den normalen Stabbrandbomben abgeworfen wurde: Diese modifizierten Brandstäbe enthielten zusätzlich eine kleine Sprengladung mit starker Splitterwirkung, welche zeitversetzt nach Auslösung der Brandbombe explodierte (in der Regel einige Minuten). Dadurch sollten die Lösch- und Rettungskräfte auf Distanz zur abgeworfenen Brandwaffe gehalten und somit ein frühzeitiges Löschen verhindert werden.

Einsatzgebiet des Elektron-Thermitstabes ist ein dichtbebautes Stadtgebiet mit möglichst hohem Anteil an Holzbauten. Nur im Zusammenwirken mit brennbaren Stoffen, insbesondere Holz, entfaltet diese Brandbombe ihre Wirkung. Der Elektron-Thermitstab ist somit als eine Entzündungswaffe zu verstehen. Stärkste Wirkung entfaltet er im Masseneinsatz gegen dicht bebaute mittelalterliche Altstädte. Dies traf auf Kassel zu. Kann man einen derartigen Einsatz als Kriegsverbrechen bezeichnen?

Allein auf Dresden wurden mehr als 650.000 derartiger Brandbomben abgeworfen.

 
 
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